Der Tag danach

Erinnerungen an das Hausschlachten in der Gröninger Region
(die gesamte Serie wurde uns zur Verfügung gestellt vom Verfasser Ralf Staufenbiel)

 

Dosenverschlussmaschine

Wenn der Schlachtetag nicht ganz perfekt ablief, blieb für den nächsten Tag noch das Verschließen der Gläser und Büchsen. Da es damals noch keine Schraubdeckel gab, wurden Rillengläser oder die unbeliebten Industriegläser mit Kleberingen verwendet; allzuoft gingen diese jedoch auf und setzten im schlimmsten Fall Schimmel an. Eines war auch ein ungeschriebenes Gesetz: Beim Schlachten durfte nie eine Frau als Helfer dabei sein, die ihre Periode hatte.

Die gefüllten Büchsen wurden in Kloster Gröningen zu Ernst Steinke in die Freiheitsstraße gebracht, der über eine Dosenverschließmaschine verfügte. 
Hier erhielt der Dosendeckel auch einen Schlagstempel, z.B. „L“ für Leberwurst und “R“ für Rotwurst, damit man später wusste, wo welche Wurst enthalten war; Etiketten gab es damals noch nicht. Anschließend mussten sie noch zwei Stunden im Kessel kochen und waren somit lange lagerfähig. Ein großes Problem war bis 1948 die Frage: „Woher die Büchsen nehmen?“, denn die Weißblechdosen waren durch das ständige Abschneiden des oberen Randes immer kleiner geworden.
Nun blieb noch das abgezogene Schweinefell, welches abgabepflichtig war und in der Lederindustrie Verwendung fand. In den 60er Jahren des v.Jh. war es üblich, dass die Kinder das schlabberige Fell auf den Gepäckträger des Fahrrades banden, um es bei Herrn Bartels in der Gröninger Schöneckstraße zu verkaufen. Es brachte so um die 5 Mark. Der Geruch der Fellkammer, in der auch Kaninchenbälge u. Hamsterfelle aufbereitet wurden, hat sich bei vielen tief im Gehirn eingeprägt und ist auf Wunsch sofort abrufbar. 
Früher wurden die anfallenden Schweinehaare eingesammelt, getrocknet und im Frühjahr an den „Därmenhändler“ verkauft. Es handelte sich damals um einen wertvollen Rohstoff für die Pinselindustrie. Heutzutage kommen die Pinsel, auch die Därme aus China! Noch früher wurden sogar spezielle Schweineborsten aussortiert. Überhaupt hatten die Schweine früher viel mehr Haare als heute.
 

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